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DAASM:

Amerikanische Einzelsportler sowie Spitzenverbände aus aller Welt holen dich als Berater und Trainer an Board. Vor Russland hast du ja auch schon den Deutschen Schwimmverband beraten. Kannst du angesichts des schlechten Abschneidens deutscher Schwimmer einen Vergleich international ziehen?


HG:

Naja - den DSV habe ich nie beraten. Ich war einer von mehreren Teamärzten. Dirk Lange hatte mich damals rein geholt, um neue Impulse zu setzen.

Den größten Unterschied im internationalen Vergleich sehe ich im Abruf der Leistungen von Fachkräften. So leite ich bei den Russischen Verbänden nicht nur die Konditionierung der Athleten, sondern stehe täglich viele Stunden auch an der Behandlungsliege und bearbeite die Sportler manuell. Auch der Austausch mit den Trainern ist, trotz Sprachbarriere, viel intensiver. Insgesamt muss ich sagen, dass im Ausland auch deutlich härter gearbeitet wird. Die Basis für intelligentes Training wird nicht so stark aus technischer Datenerhebung gebildet. Die Ansätze sind pragmatischer. Das spiegelt sich sehr schön in der Formulierung meiner Aufträge wieder: „Make her faster!“. Ich glaube in Deutschland stehen sozial-pädagogische Aspekte oft im Vordergrund. Das muss nichts Schlechtes sein, steht aber oft im Gegensatz zur Disziplin, die der Athlet einfach für das Arbeitspensum braucht, um in der Weltspitze mithalten zu können.


DAASM:

Spürst du in Russland auch viel Politik im Verband?


HG:

Ich glaube inzwischen nicht mehr an einen Verband ohne Politik. Aber im Ausland kommt mir die Sprachbarriere da sehr entgegen. Es erlaubt eine Fokussierung aufs Wesentliche: Die Arbeit mit dem Athleten. Beim DSV war es teilweise schon sehr polemisch... was aber auch sicher an meinen Ansprüchen an das medizinische Team gelegen hat.


DAASM:

Eine Arbeit in Deutschland kommt also nicht mehr in Frage?


HG:

Im Gegenteil! Ich stehe immer noch in regem Kontakt mit deutschen Trainern und Athleten, die ich sehr schätze. Auch betreue ich deutsche Athleten, vornehmlich vom OSP Stuttgart, die jetzt auch hier in London (Surfen und BMX) am Start sind.


DAASM:

Auf Facebook postest du viele Bilder vom Essen …


HG:

Ja, die Ernährung [… lacht]. Ich habe in jedem Land ein Foto von einer typischen Mahlzeit geschossen. Vielleicht werde ich diese irgendwann mal in einem Buch publizieren. In Russland sind die Teller so groß wie Untertassen, die Mahlzeit ist sehr proteinlastig und es gibt immer frisches rohes Gemüse – Dill, Knoblauch, Rettich, etc.. In Ägypten sind die Teller schon größer, aber auch da sehr viel rohes Gemüse in der Auswahl. Zum Abschluss, auch hier immer einen schwarzen Tee. In westlichen Ländern werden die Teller größer und es regiert das All-You-Can-Eat Buffet.

 

DAASM:

Wie siehst du die Rolle von Nahrungsergänzungsmitteln im Sport?


HG:

Gar nicht. Ich empfehle keine Nahrungsergänzungsmittel. Im Gegenteil. Ich bin davon überzeugt, dass 9 aus 10 Athleten nicht wissen, wie man sich grundlegend ernähren muss. Wenn sich z.B. ein 3000 Meter Hindernisläufer bei einem wöchentlichen Trainingsvolumen von 120 km bis 140 km, täglich mit nur einer Schale Müsli, zwei Äpfeln, 3 Scheiben Toast mit Käse ohne Butter und einem Salat ernährt, dann ist es kein Wunder, dass er unter Mattigkeit und wiederkehrenden Erkältungen leidet. Leider landen diese Sportler nur zu häufig bei einem Superernährungsspezialisten, der dann irgendwelche Vitamine und Biokulturen verschreibt, die zu bestimmten Zeiten eingenommen werden müssen. Ich lehne Nahrungsergänzungsmittel kategorisch ab!


DAASM:

Siehst du darin vielleicht auch einen fließenden Übergang zu unerlaubten Mitteln?


HG:

Ja. Ich meine nicht, dass in der Nahrungsergänzung unerlaubte Mittel enthalten sein müssen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass es einen kleinen Schritt in Richtung Leistungssteigerung durch Zusatzstoffe darstellt. Wer unerlaubte Mittel nimmt, ist schlichtweg dumm. Medizinische Vorwände zu nutzen, um unerlaubte Mittel zu rechtfertigen, halte ich für unverantwortlich. Mittel zu nehmen, die vielleicht – jetzt noch – legal sind, um natürliche Leistungsgrenzen zu pushen, ist naiv.


DAASM:

Jetzt mal zu Anastasia Zueva. Seit du sie im Herbst 2010, entgegen der Prognose aller Experten, wieder zurück in den Leistungssport geführt hast, feierst du mit ihr einen Erfolg nach dem anderen. Sicherlich, nach WM-Gold und -Silber letztes Jahr in Shanghai, nun mit diesem Olympischen Titel ein weiterer Höhepunkt?


HG:

Ich sehe mich nicht unbedingt verantwortlich für diesen Erfolg. Die Hauptarbeit liegt bei Anastasia und ihrer Trainerin, Natalia Kozlova. So verstehe ich mit jedem Athleten meine Rolle. Während ich nur eine Schachfigur bin, bilden Athlet und Trainer vereint, den Schachspieler. Sie müssen die richtigen Figuren zur richtigen Zeit in die richtige Richtung ziehen. Als Zueva 2010 nach Regensburg kam, stand die Angstdiagnose 'Querschnittslähmung' im Raum, sollte sie ihren Schwimmsport fortsetzen. Das war natürlich eine starke Behauptung, die alles oder nichts zuließ. Habe damals sehr viel mit manuellen Techniken an den kinetischen Ketten gearbeitet und noch zahlreichere Stunden in der Konditionierung verbracht, über die Kraft höhere Frequenz und Geschwindigkeit aufgebaut. Die Bedeutung der athletischen Konditionierung als Therapie und Prävention wird überall noch zu sehr unterschätzt … sowohl von sportlicher, als auch von medizinischer Seite. So betreiben viele zwar Athletik Training, aber das Wann und Wie wird selten bedacht, geschweigedenn umgesetzt.


DAASM:

Wie sieht die Zukunft aus?


HG:

Zum Glück weiß ich das nicht. Jetzt bringen wir erstmal die Spiele über die Runden. Dann werde ich für einige Wochen den Stecker ziehen und mich in Südfrankreich in einer einfachen Hütte zurückziehen und Energie tanken. Von euch habe ich ja erfahren, dass einige Aufträge aus der deutschen Fußballbundesliga auf uns warten? Darauf freue ich mich natürlich schon sehr.


DAASM:

Wir auch! Jetzt aber erst mal viel Erfolg für die restlichen Tage in London!


HG:

Danke euch und bis bald!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Dr. Gharavi in der ARD Sportschau

Am Samstag 5. September 2009 bringt die ARD in der Sportschau einen Beitrag über die Arbeit des neuen Bundestrainers, Dirk Lange. Zwei Tage lang begleitete das Fernsehteam das A-Kader des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), der unter der Führung des charismatischen Bundestrainers innerhalb kürzester Zeit einen spürbar frischen Eindruck in der Weltszene geschaffen hat.

 

Im engen Schulterschluss hat er sich unseren Direktor, Dr. Dr. Homayun Gharavi (von den Athleten liebevoll nur 'Homie' genannt), ins Boot geholt. "Ich hatte schon 2008 ein Auge auf ihn geworfen und ihn aus der Ferne beobachtet", so Dirk Lange. 

 

"Eines Abends vor einem Jahr erhielt ich einen Anruf aus Pretoria, Süd Afrika", erinnert sich Gharavi. "Es war ein sehr angenehmes und energiegeladenes Gespräch, aus dem eigentlich nur Synergien hervor gingen.". Wenn man sich die Gesamtmannschaft samt der Betreuer anschaut, scheinen sich diese auch in der Umsetzung vorgesetzt zu haben.

 

Gharavi, der neben der regulären Verbandsarzttätigkeit, nun auch federführend in der Höhenkonzeption des DSV an der Seite von Trainer, Jörg Hoffmann, eingesetzt ist, leitet nun ebenfalls die Fitness- und Konditonseinheiten an Land. Am kommenden Samstag gibt es einen Blick hinter die Kulissen:

 

Ihre DAASM Redaktion

 

 

 

Dirk Lange auf neuem Kurs

 

 

"Dirk setzt auf Innovation und überlässt dem Team die natürliche Entwicklung der Sozialisierung", so Home Gharavi über den neuen Bundestrainer. "Trotz seiner Strenge als Trainer, respektiert er die natürlichen Kräfte innerhalb des Athletenteams. Nur so empfängt auch er die verdiente höchste Akzeptanz als Trainer." Dies wurde auch im Fernsehbericht der ARD deutlich, in dem Dirk Lange, Britta Steffen als Leitfigur und 'Schlagfrau' würdigt.

 

Der gesamte Beitrag zeigt völlig neue Ansätze auch im Trainingkonzept. Hierzu der Bundestrainer im Telefoninterview mit der DAASM Redaktion:

 

DAASM Redaktion: "Guten Tag Herr Lange. Sie haben vor gut einem halben Jahr den Gründer unserer Gesellschaft, Dr. Dr. Home Gharavi, als Verbandsarzt, in Ihr Boot geholt. Im jüngsten Beitrag der ARD wird er nun auch als Trainingsexperte vorgestellt."

 

Dirk Lange: "Was Home Gharavi schon in seinen ersten Einsatztagen hier mit eingebracht hat, ist weitaus mehr als nur ärztliche Leistung. Es ist eine neue ganzheitliche Philosophie der Athletenbetreuung. Das habe ich in dieser Form während meiner gesamten Karriere als Athlet und Trainer noch von keinem Arzt erlebt."

 

DAASM Redaktion: "Home hat ja nun auch die Qualifikation als Sportwissenschaftler, die Sie nutzen. Das muss und kann ja nicht von jedem Arzt verlangt werden, oder?"

 

Dirk Lange: "Drehen wir den Spieß um. Ich habe auch noch mit keinem Sportwissenschaftler zusammengearbeitet, der diese Qualität einbringt. Grundsätzlich ist es ja auch nicht meine Entscheidung - ich überlasse es den Athleten. Bei ihnen ist Home ein großer Sympathieträger, in dem Fachwissen aus verschiedenen Richtungen vereint ist und - was nicht selbstverständlich ist - mit größter Relevanz anwenderfreundlich weitergegeben wird."

 

DAASM Redaktion: "Home spricht auch über Sie in höchsten Tönen. Sie seien Innovativ und haben eine sehr moderne Einstellung, die Ihnen die Betrachtung von Herausforderungen aus mehreren Winkeln erlaubt. Stoßen Sie damit nicht oft auf Gegenwind?"

 

Dirk Lange: "Was soll ich darauf antworten? Es ist meine Art. Und das schon immer gewesen. Diese Art hat mich an diese Position gebracht. Im Übrigen erachte ich es nicht als Gegenwind, sondern als natürlichen Widerstand. Vergleichen Sie es mit dem Wasser im Pool. Dort herrscht auch keine Gegenströmung und trotzdem nimmt der Widerstand mit der Schwimmgeschwindigkeit zu. Ohne Widerstand käme man ja auch nicht voran. Sie sehen, es geht auch ganz ohne Polemik."

 

DAASM Redaktion: "Sie beschreiben Britta Steffen als Schlagfrau. Gibt es auch Schlagmänner?"

 

Dirk Lange: "Britta ist eine Frau, die sich Ihre Position dadurch erkämpft hat, indem Sie viel harte Arbeit und Fleiß im Schwimmbecken gelassen hat. Bei den Männern nimmt Paul Biedermann diese Position ein. In der Gesellschaft werden Führungspersonen in einem natürlichen Prozess durch die Masse gewählt. Britta und Paul werden vom Rest des Teams als Teamkollegen respektiert und als Personen geehrt, die es geschafft haben. Ihre Herzlichkeit und Teamfähigkeit machen sie zu Personen, die als Schlagfrau und -mann sehr gerne akzeptiert werden. Auch von mir."

 

DAASM Redaktion: "Erlauben Sie uns abschließend noch eine Frage in eigener Sache - Sie haben im vergangenen Trainingslager, Merle Bardenhagen, eine DAASM Lizensierte Athletenbetreuerin im Betreuerstab gehabt. Können Sie dazu etwas sagen?"

 

Dirk Lange: "Merle fiel dadurch auf, dass sie neben den klassischen physiotherapeutischen Aufgaben, auch an vielen anderen Fronten aktiv war. Die gesamten Regenerationsmaßnahmen, Aufwärmprogramme, Agilitäts- und Leistungstests, aber auch die schnelle Versorgung von Verletzungen wurden alle durch sie koordiniert. Im Dialog mit Home bewies sie fundiertes Wissen über die Arzneimittellehre. Auch wenn wir auf die DOSB Lizens bestehen müssen, habe ich noch keinen DOSB lizensierten Physiotherapeuten mit diesem Spektrum erlebt."

 

DAASM Redaktion: "Das heisst, Sie würden die DAASM Lizens jeder DOSB Lizens vorziehen?"


Dirk Lange: [zögert] "Ich komme zu wenig vom Fach. So kann ich nur danach gehen, wie die Arbeit bei mir und beim gesamten Team ankommt. Die DOSB Lizenz ist laut Reglement vorausgesezetzt, damit wir diese Leute an unser A-Kader heranlassen dürfen. Dies ist sicherlich auch deshalb der Fall, weil es bislang keine andere Lizens gab? Eine Wahl bleibt mir also nicht. Aber die DAASM Lizens ist für mich ganz klar das i-Tüpfelchen. Bei der Wahl zwischen 2 DOSB lizensierten Physiotherapeuten, nehme ich den mit der DAASM Lizens. Zufrieden?"

 

DAASM Redaktion: "Ja sehr, Herr Lange. Vielen Dank für Ihre Zeit!"

 

Dirk Lange: "Ich danke."